Gut möglich, dass Sie heute schon KI-generierte Texte gelesen haben, ohne es zu merken. Das ist nicht per se schlecht. Es stellt Unternehmen aber vor eine zentrale Frage: Wie nutzen Sie KI für Ihre Inhalte, ohne dass diese generisch, austauschbar und letztlich wertlos werden? Dieser Beitrag zeigt, was Google tatsächlich verlangt, wie ein belastbarer Arbeitsablauf aussieht und welche Transparenzregeln in der Schweiz und der EU zu beachten sind.
Das Problem mit «KI-Slop»
Für massenhaft produzierte, oberflächliche Inhalte, die sich über viele Websites hinweg gleich lesen, hat sich der Begriff «KI-Slop» eingebürgert. Erkennbar sind sie an immer gleichen Formulierungen, fehlender Tiefe, fehlenden Belegen und dem Fehlen einer eigenen Perspektive.
Google zielt dabei nicht auf die Technik, sondern auf das Muster. Am 5. März 2024 führte Google zusammen mit einem Core Update neue Spam-Richtlinien ein, darunter «Scaled Content Abuse»: Damit ist gemeint, dass viele Seiten in erster Linie erzeugt werden, um Rankings zu manipulieren, und nicht, um Nutzern zu helfen. Die Richtlinie gilt ausdrücklich unabhängig davon, ob die Inhalte automatisiert, von Menschen oder in einer Kombination erstellt werden. Gleichzeitig kamen Richtlinien gegen «Expired Domain Abuse» und «Site Reputation Abuse» hinzu.
In Googles Leitfaden zu generativen Inhalten heisst es entsprechend, dass das Erzeugen vieler Seiten mit generativer KI ohne Mehrwert für Nutzer gegen diese Richtlinie verstossen kann. Wer Inhalte in Masse produziert, riskiert also nicht wegen der KI an Sichtbarkeit zu verlieren, sondern wegen des fehlenden Mehrwerts.
KI als Werkzeug, nicht als Autor
Der Schlüssel liegt in der Rollenverteilung. Google selbst schreibt, generative KI könne besonders nützlich sein, um ein Thema zu recherchieren und eigenen Inhalten Struktur zu geben. In der Praxis eignet sich KI gut für:
Recherche-Vorbereitung und Briefings, deren Fakten anschliessend geprüft werden
Gliederungen und die Strukturierung komplexer Themen
Erstentwürfe, die eine Fachperson inhaltlich überarbeitet
Vorschläge für Titel, Meta-Beschreibungen und Alt-Texte
Übersetzungen als Grundlage für eine sprachkundige Überarbeitung
KI ist dagegen ein schlechter Ersatz für eigene Expertise und Meinungen, persönliche Erfahrungen und Fallbeispiele, aktuelle Brancheneinblicke und eine differenzierte Argumentation. Die Formel lautet: KI für die Effizienz, Menschen für den Wert.
So funktioniert KI-gestützter Content in der Praxis
In unserer Agentur nutzen wir einen dreistufigen Prozess. Schritt 1: KI unterstützt bei der Recherche und erstellt ein Briefing mit Gliederung und Quellenhinweisen. Schritt 2: Eine Fachautorin oder ein Fachautor schreibt den Inhalt auf Basis des Briefings, mit eigener Expertise, eigenen Beispielen und einer klaren Haltung. Schritt 3: KI hilft beim Feinschliff, etwa bei Meta-Daten, Lesbarkeit und strukturierten Daten.
Entscheidend ist der Prüfschritt zwischen allen Stufen. Google weist darauf hin, dass generative Modelle keine Fakten abrufen, sondern eine wahrscheinliche Wortfolge vorhersagen, und dass es deshalb entscheidend ist, alle KI-generierten Inhalte vor der Publikation manuell auf Richtigkeit zu prüfen. Das gilt laut Google auch für Meta-Daten wie Title, Meta-Description, strukturierte Daten und Alt-Texte, weil diese in den Suchergebnissen erscheinen können. Eine einfache Checkliste für die Redaktion:
Jede Zahl, jedes Datum und jedes Zitat ist mit einer Quelle belegt, die jemand tatsächlich geöffnet hat.
Der Text enthält mindestens eine Information, die es so nur bei Ihnen gibt: eigene Erfahrung, eigene Daten oder eine begründete Einschätzung.
Eine namentlich genannte Person mit Fachkompetenz hat den Text gelesen und verantwortet ihn.
Meta-Daten und strukturierte Daten stimmen mit dem sichtbaren Inhalt überein.
Für Onlineshops gelten strengere Regeln: Laut demselben Leitfaden verlangt Google Merchant Center, dass KI-generierte Bilder IPTC-Metadaten mit dem DigitalSourceType «TrainedAlgorithmicMedia» enthalten und dass KI-generierte Produktdaten wie Titel und Beschreibungen separat angegeben und als KI-generiert gekennzeichnet werden.
Was Google wirklich bewertet
Googles Leitlinien sind eindeutig: Entscheidend ist nicht, ob KI beteiligt war, sondern ob ein Inhalt hilfreich, verlässlich und für Menschen gemacht ist. Google empfiehlt, sich dazu drei Fragen zu stellen:
Wer hat den Inhalt erstellt? Für Besucher sollte offensichtlich sein, wer hinter einem Inhalt steht. Von irreführenden Angaben zur Urheberschaft rät Google ausdrücklich ab; erfundene Autorenprofile, etwa mit KI-generierten Porträts oder Fantasienamen, gelten als Täuschung.
Wie ist er entstanden? Hinweise auf den Einsatz von Automatisierung oder KI sind laut Google dort sinnvoll, wo sich Leser diese Frage stellen würden. Wer Inhalte automatisiert erzeugt, sollte erklären, wie sie entstanden sind.
Warum wurde er erstellt? Wer Automatisierung einschliesslich KI vor allem nutzt, um Rankings zu manipulieren, verstösst gegen die Spam-Richtlinien.
Das Konzept E-E-A-T (Erfahrung, Sachkompetenz, Autorität, Vertrauenswürdigkeit) wird oft missverstanden. Google stellt klar, dass E-E-A-T selbst kein spezifischer Rankingfaktor ist. Suchqualitätsevaluatoren beurteilen zwar die Qualität der Suchergebnisse, haben aber keinen Einfluss auf das Ranking einzelner Seiten. Von den vier Aspekten ist laut Google die Vertrauenswürdigkeit am wichtigsten. Hilfreicher als das Schlagwort sind Googles Selbstprüfungsfragen, etwa ob ein Inhalt eigene Informationen, Recherchen oder Analysen bietet und ob er Quellen nur umschreibt oder vor allem zusammenfasst, was andere bereits gesagt haben. Konkret heisst das: Zeigen Sie Erfahrung mit eigenen Beispielen, belegen Sie Expertise durch Tiefe und Präzision und schaffen Sie Vertrauen durch Quellen, klare Autorenschaft und korrekte Angaben. Wie solche Inhalte auch in KI-Antworten sichtbar werden, beschreibt unser Beitrag zu Generative Engine Optimization.
Transparenz und Recht: Schweiz und EU
Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) hält fest, dass unabhängig von einer künftigen KI-Regulierung schon heute das seit 1. September 2023 geltende Datenschutzgesetz direkt auf KI-gestützte Datenbearbeitungen anwendbar ist. Dazu gehört Transparenz über Zweck, Funktionsweise und Datenquellen. Wer mit einem Chatbot kommuniziert, hat zudem das Recht zu erfahren, ob er mit einer Maschine spricht oder korrespondiert, und Deepfakes identifizierbarer Personen müssen stets deutlich als solche erkennbar sein. Für die Content-Erstellung heisst das vor allem: Geben Sie keine Kundendaten oder vertraulichen Informationen in KI-Werkzeuge ein, ohne die Datenbearbeitung des Anbieters geprüft zu haben.
In der EU gilt der AI Act gemäss Art. 113 grundsätzlich ab dem 2. August 2026. Art. 50 Abs. 4 verpflichtet Betreiber eines KI-Systems, offenzulegen, dass ein Text künstlich erzeugt oder verändert wurde, wenn er veröffentlicht wird, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren. Die Pflicht entfällt, wenn der Inhalt einer menschlichen Überprüfung oder redaktionellen Kontrolle unterzogen wurde und eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung trägt. Ob und wie diese Regel ein Schweizer Unternehmen betrifft, das Inhalte für ein Publikum in der EU veröffentlicht, sollte im Einzelfall rechtlich geprüft werden. Ein dokumentierter redaktioneller Prozess ist in jedem Fall die beste Grundlage.
Typische Fehler
KI-Entwürfe ohne Faktenprüfung publizieren, weil sie flüssig und plausibel klingen
Viele ähnliche Seiten für Keyword-Varianten oder Ortschaften erzeugen, die sich nur in wenigen Wörtern unterscheiden
Beiträge ohne erkennbare Autorin oder erkennbaren Autor veröffentlichen
Vertrauliche Unterlagen oder Personendaten in öffentliche KI-Werkzeuge kopieren
Meta-Daten automatisch erzeugen lassen und nie kontrollieren
Die Sidora AG entwickelt Content-Workflows, die KI-Effizienz mit redaktioneller Qualität verbinden, und stimmt sie auf SEO- und GEO-Optimierung sowie die Planung im Content-Marketing ab. Wer KI-Werkzeuge sicher in eigene Abläufe integrieren will, findet die technischen Grundlagen bei unseren KI-Lösungen.